Ist es ein Fehler, in Weltraumtechnik zu investieren? Sind Satelliten das Ende für das Office of National Statistics?

In der letzten Woche machten mich zwei Erlebnisse stutzig und ich dachte „Hmmm!”.  Erstens wurden wir im Anschluss an die Veröffentlichung unseres Blogs zu den Auswirkungen von El Nino auf die globale Inflation (hier) von einem Unternehmen kontaktiert, das uns sein Geschäftsmodell vorstellen wollte.  Die Firma nutzt Daten von Satelliten der NASA und der EU, um Einnahmeschätzungen für Einzelhändler zu erstellen und Konjunkturdaten zu prognostizieren.  Ausgangspunkt ist die Anzahl an Autos in den Parkplätzen großer Einkaufszentren, mit deren Hilfe die Zahl der Käufer (Kundenzahlen) geschätzt wird. Zahlen außerhalb der typischen Bandbreite deuten für gewöhnlich auf zukünftige Überraschungen bei den Mehreinnahmen.  Das Unternehmen kann außerdem die Produktionszahlen von Automobilherstellern schätzen und ermitteln, ob Infrastrukturmaßnahmen und Hochbaumaßnahmen zeitlich auf einer Linie mit den Planungen liegen.  Ein weiterer Bereich für die Prognosen des Unternehmens sind die magnetischen und elektrischen Felder im Umkreis von beispielsweise Kraftwerken oder regionale CO2-Emissionen (uns wurden ein paar sehr interessante Daten zu den aktuellen chinesischen CO2-Emissionen gezeigt, doch gehören wir nicht zu den Abonnenten der Ergebnisse).   Dies ist alles ziemlich faszinierend, stellt aber eine Menge an ethischen und juristischen Fragen. Außerdem mach ich mir Gedanken um die Zukunft traditioneller Statistik (und des Fondsmanagements).

Ist es ethisch vertretbar, die Einkaufsgewohnheiten eines Individuums vom Weltraum aus zu beobachten?  Haben wir die rechtliche Grundlage, in die Privatsphäre eines Individuums einzudringen oder die Anzahl der LKWs eines Unternehmens zu zählen, bevor Aktien des Spediteurs ge- oder verkauft werden? Ist dies nicht sogar Insiderhandel?  Schließlich stellt sich zudem die Frage, wie traditionelle Statistikagenturen auf die Entwicklung „neuer” Statistiken reagieren werden. Die neuen Methoden sind unter Umständen in der Lage, Angaben zum BIP in Echtzeit zu geben, anstatt mit mehrmonatiger „Verspätung” eine Zahl zu produzieren, die vielen unglaubwürdig erscheint und im Anschluss oftmals korrigiert wird.  Wir haben in der Vergangenheit bereits ebenfalls über das Billion Prices Project, welches im Internet Millionen Preise im Zeitablauf verfolgt, geschrieben, und der Li Keqiang Index ist ein Beispiel dafür, dass selbst Regierungsstellen alternative Daten für das Nowcasting der BIP-Zahlen nutzen.  Es sieht zweifelsohne so aus, als würde Technologie in der Zukunft einen enormen Einfluss auf unsere Fähigkeit haben, die Wirtschaft zu verstehen (oder zumindest zu messen), auch wenn die Auswirkungen der Technologie auf die Wirtschaft weiterhin verwirrend sind. Robert Solow drückt dies anders aus: „Computer sind überall und allgegenwärtig außer in den Produktivitätsstatistiken.”

Mein zweites „Hmmm” wurde mir ebenfalls im Technologiesektor entlockt und bezieht sich auf die Wechselbeziehung zwischen Technologie und Investmentmanagement. Ich bekam eine Email von einem anderen Unternehmen, das mir den folgenden Service anbot.  Wie wäre es mit einem Link zur Pressekonferenz der EZB mit Mario Draghi am Donnerstag dieser Woche?  Das Link ist ungefähr 8 Sekunden schneller als das Feed von Bloomberg und CNBC und sogar 20 Sekunden schneller, als wenn ich der Pressekonferenz auf der Webseite der EZB selbst folgen würde.  Nicht gerade Flash Boys, aber es könnte durchaus sehr wohl der Fall sein, dass die Investmentbranche um einiges technischer wird.  Interesse an einem Abo von Wired Magazine?

Alle, die nicht wissen, von was der Titel dieses Blogs sich ableitet (ein bisschen zumindest), können sich auf eine nette Überraschung freuen. Viel Spaß mit dem Video.

Der Wert von Anlagen kann schwanken, wodurch die Fondspreise steigen oder fallen können und Sie Ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückerhalten.

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