„Funding for Lending“: Hat das britische Kreditförderprogramm seine Ziele erreicht?

Die Presse hat bereits ausführlich darüber berichtet: In der vergangenen Woche haben die Bank of England und das britische Finanzministerium ihr gemeinsames Kreditförderprogramm „Funding for Lending“ (kurz: FLS) ausgeweitet. Ursprünglich war das FLS im Juli letzten Jahres mit dem Ziel aufgelegt worden, die Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft (d.h. außerhalb des Finanzsektors) zu fördern. Im Rahmen dieses Programms kann sich eine Bank oder eine Bausparkasse britische Schatzanweisungen „leihen“ und im Gegenzug dafür geeignete Vermögenswerte als Sicherheiten hinterlegen. Die Gebühr, die dafür erhoben werden kann (also letztlich der Zins), sowie die Höhe des Betrags, der aufgenommen werden kann, sind davon abhängig, inwieweit das jeweilige Institut seine Kreditvergabe erhöht hat. Anschließend kann die entsprechende Bank oder Bausparkasse diese Schatzanweisungen entweder wieder gegen Liquidität eintauschen oder – was wesentlich günstiger und dementsprechend auch wahrscheinlicher ist – diese Papieren als liquide Mittel zu nutzen und die bisherigen Geldreserven zu ersetzen. Je mehr Kredite die einzelnen Institute also vergeben, desto mehr können sie sich zu günstigen Zinsen leihen.

Die BoE und das Finanzministerium haben dieses Programm bereits als Erfolg für sich verbucht. Aber auf welcher Grundlage?

Heute hat uns die Nachricht erreicht, dass die Zahl der bewilligten Hypotheken im März erneut niedrig war und lediglich moderat auf 53.500 angestiegen ist. Bereits seit Anfang 2010 stagniert die Zahl der neu vergebenen Hypothekenkredite bei rund 50.000 pro Monat. Und obwohl die jüngste Ausweitung des FLS die Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen ankurbeln soll, scheint die Kreditvergabe trotz dieser vergleichsweise günstigen Finanzierungsquelle nicht wie gewünscht anzusteigen.

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Da die durchschnittlichen Hypothekenzinsen in Großbritannien derzeit bei etwa 4 Prozent liegen, während die Banken gleichzeitig zu schätzungsweise 0,75 Prozent Geld bei der Bank of England leihen können, werden die niedrigen Zinsen also offenbar nicht an die breite Masse weitergegeben. Sofern die Nettozinsspannen der Banken also nicht jene Kennzahl sind, die bei der Erfolgsmessung des Programms zugrunde gelegt wird, halte ich es also für nicht legitim, von einem großen Erfolg zu sprechen.

Es sei denn, Sie sind in hypothekarisch besicherten Wertpapieren investiert. Denn der britische Markt für mit Wohnimmobilien hypothekarisch besicherte Wertpapiere (RMBS) ist seit der Einführung des FLS kräftig angestiegen. Zugegeben, die meisten risikobehafteten Anlageformen haben seit dem letzten Sommer deutlich zugelegt – auch wegen der mittlerweile berühmten Rede von Mario Draghi – aber meiner Meinung nach hat das FLS dem britischen RMBS-Sektor noch einen zusätzlichen Schub verliehen.

Anstatt jedoch RMBS-Papiere zu emittieren, haben Banken und Bausparkassen ihre Hypothekenportfolios lieber mit Hilfe des FLS abgesichert. Dadurch wurde das technische Umfeld an diesem Markt gestützt. Die nachfolgende Grafik zeigt den Spread eines Index kurz laufender, mit AAA eingestufter, britischer Hypotheken hoher Qualität. Man erkennt, dass die Rallye dieser Papiere im letzten Sommer begonnen hat und der Spread seit dem Herbst um etwa 50 Basispunkte pendelt. Dabei war das knappe Angebot – denn seit letzten November wurden keine neuen Papiere mehr begeben – für die Spreads zweifellos von Vorteil.

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Ebenso wie die Bank of England nimmt auch das Finanzministerium für sich in Anspruch, dass das Programm ein Erfolg ist, indem man sich darauf beruft, dass es ansonsten noch wesentlich schlimmer gekommen wäre. Ob das stimmt, werden wir natürlich nie erfahren. Aber unabhängig davon, ob die Lage dadurch nur wirklich besser geworden ist oder nicht – das FLS scheint fast das genaue Gegenteil von dem bewirkt zu haben, wozu es eigentlich dienen sollte. Schließlich ist dieses Programm aufgelegt worden, um den Nicht-Finanzsektor zu stützen. Soweit ich das jedoch beurteilen kann, hat es bisher hauptsächlich dazu beigetragen, den Finanzsektor etwas stärker und robuster zu machen.

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