RBA senkt die Leitzinsen – das „glückliche Land“ wird in die Enge getrieben

Heute hat die Reserve Bank of Australia (RBA) die Märkte mit einer Senkung der Leitzinsen um 0,5 % auf 3,75 % überrascht. Die niedrigeren Inflationszahlen der letzten Woche haben in Verbindung mit einer Fülle schlechter Konjunkturdaten die RBA aufgeschreckt. Wir haben bubbles down under (d. h. Blasen in Downunder) bereits in der Vergangenheit in diesem Blog diskutiert und glauben, dass die rückläufigen Terms of Trade, das Leistungsbilanzdefizit, der Schuldenabbau bei den Konsumenten, die unter der Zielmarke liegende Inflation, der geschwächte Arbeitsmarkt und die Wohnimmobilienblase dazu führen            werden, dass die RBA zu weiteren Zinssenkungen tendiert.

Dylan Grice von der Société Générale hat vor Kurzem einen interessanten Beitrag zur Debatte                      beigesteuert:

„In Australien befinden sich fünf der weltweit 15 teuersten Städte (gemessen am Verhältnis zwischen Durchschnittspreisen und Durchschnittseinkommen), die Verschuldung der privaten Haushalte ist in den letzten Jahrzehnten geradezu explodiert und das Land hat trotz der unerwarteten Verbesserung der Terms of Trade, die sich durch die Hausse am Rohstoffmarkt ergeben hat, ein Leistungsbilanzdefizit. Dies sind keine guten Voraussetzungen, um eine harte Landung Chinas verkraften zu können, falls es dazu kommt“… „Wenn man an der Oberfläche des australischen „Wunders“ kratzt, entdeckt man nicht nur einen gewöhnlichen Rohstoff-Superzyklus, sondern auch einen ebenso gewöhnlichen Kredit-Superzyklus. Es handelt sich um eine Kreditblase, die durch einen boomenden Rohstoffmarkt entstanden ist, der sich        wiederum aus einer noch größeren chinesischen Kreditblase speist: Australien ähnelt einem doppelten Leverage-Geschäft, einem CDO hoch zwei.“

Die RBA hofft, dass sich die schwächelnde Wirtschaft durch Zinssenkungen ankurbeln lässt. Wir sind da eher skeptisch. Die australische Wirtschaft hat bereits im November und Dezember letzten Jahres jeweils eine Zinssenkung erlebt. Diese Maßnahmen hatten gelinde gesagt nur eine schwache Wirkung auf die Realwirtschaft, wenn man die wichtigsten Konsumindikatoren wie die für den Einzelhandel und das Konsumklima betrachtet. Die großen Banken haben die Zinssenkungen nämlich nicht an die stark verschuldeten Verbraucher weitergegeben. Ein Standardkredit mit flexiblem Zinssatz wurde im November 2011 mit 7,80 % verzinst. Heute kostet derselbe Kredit 7,55 %. Es sieht auch nicht danach aus, als würden die Banken die heutige Zinssenkung weitergeben (zumindest nicht in voller Höhe). Sie werden wahrscheinlich als Grund für das Festhalten an höheren Zinssätzen und die damit verbundene Absicherung des Gewinns weiterhin auf die höheren Finanzierungskosten verweisen.

Was ist nun also in Downunder los? Hier einige Schlüsseldaten, die uns aufgefallen sind:

  • Jeder siebte australische Steuerzahler besitzt ein Mietobjekt als Anlage.
  • Australische Wohnungsbaukredite befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit 35 Jahren.
  • Der Verkauf von Neubauobjekten ist auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren.
  • Die Hauspreise sind real gesehen um 10 % gegenüber dem im Juni 2010 erreichten Höchststand gefallen. Die nominalen Preise sind seit 15 Monaten rückläufig, was dem längsten Abwärtstrend seit zehn Jahren darstellt.
  • 63 % der Immobilieninvestoren wiesen 2009-10 nach Angaben der australischen                Steuerbehörde einen steuerlich anrechenbaren Verlust aus.
  • 74 % derjenigen, deren Anlageobjekte verlustbringend sind, hatten ein Jahresgehalt von        weniger als 80.000 AUD (ein Erwachsener in Vollzeitbeschäftigung verdient im Durchschnitt 70.000 AUD pro Jahr).

Die Wohnimmobilienblase dürfte nicht das einzige Problem sein, das der RBA schlaflose Nächte bereitet. Der australische Dollar konnte sich zumindest bis vor Kurzem angesichts der rückläufigen Anleiherenditen überraschend gut behaupten, was daran liegen dürfte, dass sich die ganze Welt für australische Anleihen begeistert. Diese Entwicklung scheint nicht nachhaltig zu sein. Wir sprachen jüngst über die beunruhigende und dramatische Zunahme der Zahl der ausländischen Inhaber von australischen Staatsanleihen. Die vor Kurzem veröffentlichten Zahlen zeigen, dass Ausländer australische Staatsanleihen in Höhe von weiteren 16 Mrd. AUD, dem bisher zweithöchsten Betrag, gekauft haben, was nur durch die 20,8 Mrd. AUD im vorherigen Quartal übertroffen wird. Der Anteil der ausländischen Inhaber nahm von 80,4 % am Ende des 3. Quartals auf rekordverdächtige 84 % am Ende des 4. Quartals zu (siehe beigefügte Grafik).

Foreign ownership of Australian government bonds is worryingly higherWie wir bereits im Januar argumentiert hatten, wenn China wackelt oder eine Korrektur am australischen Wohnimmobilienmarkt einsetzt, wird die RBA gezwungen sein, die Zinssätze zu senken, wodurch der australische Dollar an Attraktivität verlieren wird. Dieser interessante Bloomberg-Artikel schildert sehr schön, was den Kapitalfluss am Laufen hält – Ausländer reißen sich um australische Staatsanleihen als ein      Carry Trade aber auch als Möglichkeit, sich bei der Währung zu engagieren. Wenn der Renditeanstieg abflaut und/oder die Währung nachgibt, werden sich die zahlreichen ausländischen Investoren allmählich zurückziehen, was die Währung noch stärker unter Druck setzen wird. Australien ist zwar nicht so schlecht dran wie Irland – die Regierung wird nicht bankrott gehen, da sie ihre eigene Währung drucken kann – aber der Bankensektor ist ganz offensichtlich verletzlich. Man kann sich leicht ausmalen, wie schnell es zu einer schlimmen Abwärtsspirale kommen könnte.

Der Wert von Anlagen kann schwanken, wodurch die Fondspreise steigen oder fallen können und Sie Ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückerhalten.

Kategorisiert als: Banken Inflation
Verschlagwortet:

Beitrag diskutieren

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert (*)
M&G wird Ihre Daten zu Verwaltungszwecken verwenden. Wir können Ihre Informationen an unsere Serviceprovider und zuständige Behörden weitergeben. Ihre Daten können außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) aufbewahrt werden. Die Sicherheit dieser Informationen bleibt jederzeit gewährleistet.