Geht der US-Notenbank die Munition aus, und falls ja, was bedeutet dies für die Finanzmärkte?

Fast alle Finanzanlagen haben zuletzt zugelegt. Im letzten Jahr konnten Sie also mit US-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Gold und sogar mit italienischen Aktien Geld verdienen. Lediglich die Schwellenländerwährungen sowie Aktien aus den Schwellenländern haben für Enttäuschung gesorgt. Das Konzept der Portfoliodiversifikation sowie das Prinzip unkorrelierter Asset-Klassen kann man also wohl ad acta legen, aber wen kümmert das schon, wenn alles nach oben geht, oder?

Diesen Aspekt illustriert auch der erste Chart, in dem der S&P 500-Index (pinkfarbige Linie, linke Achse) im Vergleich zur Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen (grüne Linie, rechte Achse) dargestellt wird. In der Vergangenheit wiesen die Renditen von US-Staatsanleihen eine hohe Korrelation zu US-Aktien auf. Im vergangenen Jahr sind die Renditen von US-Staatsanleihen jedoch eingebrochen, während die Aktienkurse auf ihr Niveau von 2007 angestiegen sind. Das Konzept des Zeitwertes von Geld legt nahe, dass eine Kursrallye von Aktien Sinn macht, wenn die Renditen von US-Staatsanleihen niedrig sind, weil (sofern die Bedingungen ansonsten identisch sind) der aktuelle Wert der Dividenden oder des freien Cashflows eines Unternehmens, oder welche Kennzahl auch immer, aufgrund der wesentlich niedrigeren Zinsen deutlich angestiegen sind.

Trotzdem beunruhigt mich dieser Rückgang der Korrelationen. Falls es korrekt ist, dass sämtliche Vermögenswerte aufgrund der Zusage der Notenbank, zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen, zugelegt haben, dann kann vermutlich auch jede Asset-Klasse an Boden verlieren, wenn keine Liquidität mehr verfügbar ist.


Die Fed scheint meiner Meinung nach jene Notenbank zu sein, der die geldmarktpolitischen Instrumente als erste zur Neige gehen werden. Zweifellos sinkt die Arbeitslosigkeit derzeit nur äußerst schleppend, doch bei der Arbeitslosenquote handelt es sich auch um einen Spätindikator. Der wahrscheinlich wichtigste Faktor für die US-Wirtschaft ist vielmehr der Immobilienmarkt. Die US-Verbraucher haben ihre Schulden inzwischen fast vollständig abgebaut, und falls der Immobilienmarkt nun wieder zulegt und es den Verbrauchern gut geht  genauso wie den Banken, können die Banken auch wieder Kredite vergeben und das Wirtschaftswachstum kann anziehen. Mittlerweile steigen die US-Immobilienpreise (allmählich) wieder an, und auch einige andere Frühindikatoren stimmen zweifellos zuversichtlich. In den Jahren 2007 und 2008 haben wir uns stark auf derartige Indikatoren wie die Erhebungen zu den monatlich zum Verkauf stehenden Häusern konzentriert, die aussagt, wie lange das verfügbare Inventar an Häusern bei der aktuellen Nachfrage vorhalten wird. In den Jahren 2007 und 2008 deutete diese Kennzahl noch auf eine US-Rezession hin (siehe hier). Inzwischen spricht dieser Frühindikator aber für das genaue Gegenteil. So fiel das Angebot neuer Immobilien auf Monatsbasis (für das eine wesentlich längere Historie vorliegt) in den letzten 50 Jahren nur wenige Male knapper aus als jetzt gerade, denn dieser Indikator nähert sich allmählich wieder dem Niveau der Boom-Jahre 1995 bis 2005 an.


Die nächste Grafik beunruhigt mich ebenfalls. Denn die Lieblingskennzahl der US-Notenbank für die impliziten Inflationserwartungen des Marktes ist die sogenannte „US 5yr 5yr forward breakeven inflation rate“. Und die Inflationserwartungen sind zuletzt auf über 2,8% und damit auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr angestiegen. Zwar war dieser Aufwärtstrend bei den Inflationserwartungen auch auf die Äußerungen von Ben Bernanke zurückzuführen, aber trotzdem ist es bemerkenswert, um wie viel höher die Inflationserwartungen derzeit im Vergleich zum Sommer 2010 sind, als die Fed ihr QE2-Programm in Aussicht stellte.


Möglicherweise wird die US-Notenbank in den nächsten Monaten und Jahren weitere Ankurbelungsmaßnahmen umsetzen. Schließlich sind wir von einem stagflationären Umfeld, wie es in den 1970er Jahren zu beobachten war und unter dem alle Anlageklassen leiden würden, immer noch sehr weit entfernt. Doch der „Bernanke-Schachzug“ lässt sich immer schwieriger rechtfertigen. Dies könnte dann sowohl als „sichere Häfen“ angesehenen Anlageformen als auch riskanten Wertpapieren Probleme bereiten.

Der Wert von Anlagen kann schwanken, wodurch die Fondspreise steigen oder fallen können und Sie Ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückerhalten.

Kategorisiert als: Inflation
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