Panoramic Weekly: US-Notenbank Fed verlängert „Goldlöckchen-Vertrag“

Wenn Anleger 2017 ein traumhaftes Goldlöckchen-Szenario erlebt haben, mit einem Wachstum, das stark genug für Ertragssteigerungen war, aber auch nicht so stark, dass es signifikante Zinserhöhungen gerechtfertigt hat, dann gingen viele Marktteilnehmer davon aus, dass 2018 eher das Jahr des Bären sein würde, das von einem signifikanten Zinserhöhungszyklus geprägt sein wird – bis letzte Woche. US-Notenbankchef Jerome Powell sagte, dass die aktuellen Leitzinsen knapp unter der neutralen Inflationsrate liegen – ein Zeichen dafür, dass die Zentralbank den von ihr im Oktober dargelegten Zinserhöhungspfad verlangsamen könnte. Aktien gingen nach oben und Anleihenrenditen sanken, wobei die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erstmals seit September wieder leicht unter 3% fiel. Die Spreads für riskante Vermögenswerte wie beispielsweise Hochzinsanleihen engten sich ein.

Die gemäßigteren Aussagen von Powells erfolgten, nachdem der Ölpreis in den letzten zwei Monaten um 20 US-Dollar pro Barrel gesunken war und jetzt bei knapp über 50 US-Dollar steht, dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Auch die US-Konjunkturdaten sind enttäuschend (Wohnimmobilien, Industrieproduktion, Verkauf von Gebrauchsgütern und Verbrauchervertrauen). Der Umschwung für US-Präsident Trump bei den kürzlichen Midterm-Wahlen macht weitere Steuersenkungen unwahrscheinlich, was das Wachstum belasten könnte. In der vergangenen Woche blieben auch die europäischen Einkaufsmanagerindizes hinter den Erwartungen zurück. Der IWF warnte vor schwächer werdenden globalen Daten und aufziehenden dunklen Wolken, nur einen Monat nachdem der Fonds seine globale Wachstumsprognose angehoben hatte. Zumindest schienen die geopolitischen Spannungen nach dem G20-Gipfel vom Wochenende in Buenos Aires abzunehmen, bei dem Trump und Chinas Präsident Xi einen Waffenstillstand im Handelskrieg unterzeichneten, der zu einer Abschwächung des US-Dollars und einem Aufschwung bei Anlagen der Schwellenländer beitrug.

Gewinner:

Schwellenländerwährungen – Wintersonne: Währungen der Schwellenländer (Emerging Markets – EM) erlebten einen guten November. Trotz des jüngsten globalen Ausverkaufs bei Unternehmensanleihen lieferten in Lokalwährung denominierte EM-Staatsanleihen im November eine Rendite von 1,6%. Umgerechnet in US-Dollar steigt diese angesichts der Währungsaufwertung auf 2,2%. Wie in der Grafik zu sehen ist, hat die türkische Lira (blaue Linie) in diesem Monat gegenüber dem US-Dollar deutlich um 6,7% zugelegt, was dazu beitrug, etwa die Hälfte der Verluste des Sommers wieder auszugleichen. Die Anleger scheinen sich mittlerweile weniger um die Fundamentaldaten der Türkei zu sorgen, insbesondere vor dem Hintergrund des sinkenden Ölpreises, der eine Entlastung für die Leistungsbilanz des Landes darstellt. Indien, ein weiterer wichtiger Ölimporteur, verzeichnete im vergangenen Monat einen Anstieg seiner Währung um 5%, vor allem aufgrund des Verzichts der USA auf einige Sanktionen gegen den Iran, damit das ölproduzierende Land weiterhin exportieren konnte. Der südafrikanische Rand, der unlängst die Gunst der Investoren aufgrund der hohen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite des Landes verloren hatte, erholte sich ebenfalls, nachdem die Zentralbank kürzlich die Zinsen von 6,50% auf 6,75% angehoben und ihre Inflationsprognosen gesenkt hatte. Nach dem turbulenten Sommer, in dem sich die türkische und argentinische Unsicherheit auf andere Schwellenländer ausbreitete, scheinen Anleger ihren Fokus wieder auf die Fundamentaldaten zu richten. Wie in der Grafik zu sehen ist, sind die Wachstumsaussichten für die Schwellenländer weitaus rosiger als für die entwickelten Märkte.

Italien – Der Letzte wird der Erste sein: Noch tief in den roten Zahlen in diesem Jahr belegen italienische Staatsanleihen einen überraschenden 1. Platz in der wöchentlichen Renditetabelle von 100 festverzinslichen Anlageklassen. Die Gewinne, die den Jahresverlust auf 4,7% reduzieren, sind das Resultat einer Annäherung zu einer Einigung der Regierung des Landes mit der EU über das italienische Haushaltsdefizit. Seit ihrer Wahl im Mai hat die Regierung die Brüsseler Haushaltsdisziplin in Frage gestellt und Spannungen geschaffen, die nicht nur zu einer Ausweitung der Spreads auf italienische Staats- und Unternehmensanleihen führten, sondern auch negative Auswirkungen auf europäische Vermögenswerte insgesamt hatten. Der gestiegene Optimismus für eine Einigung führte diese Woche zu einem Renditeanstieg bei europäischen Hochzinsindizes, in denen Italien eine Gewichtung von 15% und damit mehr als jede andere Nation hat.

Verlierer:

Autos – Der sprichwörtliche Kanarienvogel in der Kohlengrube? Autoverkäufe sind kein Wachstumsmotor mehr – sie muten eher wie eine Panne am Rad des globalen Wachstums an: Grund dafür sind womöglich die weltweiten Handelskriege oder es liegt vielleicht daran, dass die Durchschnittsbevölkerung der Industriestaaten immer älter wird und die Jugendlichen On-Demand-Dienste nutzen, oder daran, dass die EU ein neues Emissionstestverfahren eingeführt hat. Wie in der Grafik zu sehen ist, fällt das annualisierte Wachstum des weltweiten Automobilvertriebs tiefer in den negativen Bereich. Mit einem Minus von 7,3% ist die Branche bisher in diesem Jahr der Sektor im US-Hochzinssemgent mit der schlechtesten Wertentwicklung. Anfang dieser Woche gab Autogigant GM Pläne bekannt, bis zu fünf nordamerikanische Werke zu schließen und Personal abzubauen. Dazu kommt, dass auch der IWF keine positivere Prognose abgibt – der Fonds geht von einer Wachstumsabschwächung aus, vor allem in den Industrieländern, aufgrund der alternden Bevölkerung, der schleppenden Produktivität und der steigenden Zinsen. In den USA könnte das Wachstum darüber hinaus durch das Ende der jüngsten Fiskalimpulse behindert werden. Anleger in Hochzinsanleihen scheinen die vor uns liegenden schwierigen Zeiten bereits einkalkuliert zu haben: Mit einem Plus von 7,8% bzw. 6,7% sind die widerstandsfähigeren Segmente Supermärkte und Pharmazeutika bisher in diesem Jahr die Sektoren im Hochzinssegment mit der besten Wertentwicklung.

TIPS – Kippen um: Inflationsgeschützte US-Staatsanleihen haben in den letzten fünf Handelstagen 0,6% verloren, was den Verlust seit Jahresanfang auf 2,7% erhöht. Gründe für den Rückgang sind hauptsächlich der fallende Ölpreis sowie schwache Daten. Einige Anleger sind dennoch der Auffassung, dass bei Nominalrenditen für 10-jährige US-Anleihen von 3,0% und Breakeven-Raten (oder Inflationserwartungen) von 1,93% eine reale Verzinsung von mehr als 1% attraktiv ist, wenn man sie mit den negativen Realzinsen vergleicht, die in den meisten Industrieländern, in denen die Inflationsrate über dem Leitzins liegt, immer noch vorherrschen.

Der Wert von Anlagen kann schwanken, wodurch die Fondspreise steigen oder fallen können und Sie Ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückerhalten.

Kategorisiert als: Zinssatz
Verschlagwortet:

Beitrag diskutieren

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert (*)
M&G wird Ihre Daten zu Verwaltungszwecken verwenden. Wir können Ihre Informationen an unsere Serviceprovider und zuständige Behörden weitergeben. Ihre Daten können außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) aufbewahrt werden. Die Sicherheit dieser Informationen bleibt jederzeit gewährleistet.