Über diesen Blog

„Früher dachte ich, wenn es eine Wiedergeburt gibt, will ich als US-Präsident oder Papst oder Baseballstar zurück auf die Erde kommen. Jetzt möchte ich lieber als der Anleihenmarkt wiedergeboren werden, da kannst Du jedem Angst einjagen.”
James Carville, Clinton-Regierungsberater, 1993

Als wir Ende 2006 unseren Blog starteten, sah die Welt ganz anders aus. Auch der Ausdruck „Bond Vigilantes“ (für Anleger, die aus Protest gegen eine ihrer Meinung nach exzessive Schuldenpolitik Staatsanleihen verkaufen oder gar nicht erst kaufen) war aus der Mode gekommen. Themen unseres Blogs in den ersten beiden Monaten seines Bestehens waren die ersten Anzeichen einer Schwäche am Häusermarkt in Chicago, unsere Sorgen über die aggressive Kreditvergabe der britischen Banken und die neuen Entwicklungen am aufgeheizten CDO-Markt. Es war aber immer noch eine Zeit, in der die Zentralbanker nach einer zwei Jahrzehnte dauernden Schlacht den Krieg gegen die Inflation „gewonnen“ hatten, in der das Wort „Staatsschuldenkrise“ nur im Zusammenhang mit Schwellenländern in den Mund genommen wurde und in der Lehman Brothers und Bear Stearns zur Crème de la Crème der globalen Investmentbanken zählten.

Heute arbeiten wir uns langsam aus dem größten Konjunkturtief seit der Großen Depression der 1930er Jahre heraus. Die Zinssätze sind auf Rekordtiefs gefallen, die Zentralbanken haben die Druckerpressen angeworfen und privatwirtschaftliche Unternehmen vor der Pleite gerettet, der Bankensektor befindet sich nach wie vor am Abgrund. Selbst bei den größten und stärksten westlichen Industriestaaten machen wir uns Sorgen um ihre Solvenz – und einige Staaten wie Irland und Griechenland konnten einen Zahlungsausfall nur dank der Kredite des IWF und der EU vermeiden. Trotz hoher Arbeitslosigkeit und leerer Fabriken meldet sich aber auch die Inflation zurück. Der Grund dafür ist nicht etwa ein Konsumrausch    (jedenfalls nicht in den Industriestaaten), sondern Preisschocks an den globalen Rohstoffmärkten. Mit dem Bevölkerungs- und Einkommenswachstum in den Schwellenmärkten ist die Inflation der Energie- und Lebensmittelpreise zum Problem geworden.

In einer Zeit, in der die Bevölkerung wegen des mäßigen Einkommenswachstums einerseits und höherer Güterpreise andererseits den Gürtel enger schnallen muss, hat man es als selbst ernannter „Bond Vigilante“ nicht immer ganz einfach. Kann es sein, dass die Märkte so viel Macht haben, wie James Carville in dem obigen Zitat behauptet? Ist ein AAA-Rating mehr wert als eine halbe Million Arbeitsplätze? Ist stabile Inflation wichtiger als Wachstum? Oder sollten wir uns vielleicht fragen, ob wir selbst die Bösen sind?

Wir dürfen aber auch nicht die Kosten einer hohen Inflation (Extrembeispiele wären die Hyperinflation in der Weimarer Republik oder Simbabwe) oder eines Zahlungsausfalls (Beispiel: Lateinamerika in den 1980er Jahren) vergessen und sollten uns bewusst machen, dass ungezügeltes Schuldenmachen oder Gelddrucken nicht automatisch eine glückliche Bevölkerung bedeutet. Über das richtige Timing von Haushaltskürzungen oder einer restriktiveren Geldpolitik lässt sich streiten – was wir auch des Öfteren machen, selbst innerhalb unseres Teams.

In unserem Blog beziehen wir Stellung zu Themen, die Anleiheinvestoren am Herzen liegen – Inflation, Zinssätze, die Weltwirtschaft und die Rentenmärkte selbst. In den letzten Jahren haben wir über den Wert von Hochzinsanleihen, die Aussichten für Schwellenmarktanleihen und neue Entwicklungen an den Märkten für inflationsgebundene Anleihen geschrieben. Wir beschäftigen uns auch mit dem Markt für Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Als guter Bond Vigilante sollte man negative Verhaltenstrends von Regierungen und Unternehmen erkennen.

Gibt es ein bestimmtes Thema, das wir Ihrer Meinung nach behandeln sollten? Bitte schreiben Sie uns    Ihre Vorschläge. Oberste Priorität ist natürlich die Vermögensverwaltung für unsere Anleger; wir werden also vielleicht nicht sofort reagieren. Wir freuen uns aber immer über Feedback von unseren Lesern. Sagen Sie uns ruhig ganz ehrlich Ihre Meinung! Mir wurde schon vorgeworfen, die Tea-Party-Bewegung in den USA zu verteidigen und Mitglied einer marxistischen Schläferzelle zu sein – alles innerhalb von einer Woche.

Wir hoffen, dass Ihnen unser Blog mit seinem neuen Look gefällt – und dass die Rentenmärkte interessant, aber nicht zu interessant bleiben.

Jim Leaviss
Head of Retail Fixed Interest
M&G Investments
bondvigilantes@mandg.co.uk